Hohes Niveau mit neuen Strategien halten

Veröffentlicht am 04.11.2011 in Ortsverein

"Die Helfer nicht vergessen!" - von der Wichtigkeit dieses Appells musste der Vertreter der Landesregierung in der Diskussionsrunde nicht erst überzeugt werden. Mit Reinhold Gall hatten der SPD-Kreisverband Rhein-Neckar und der Ortsverein Neulußheim nicht nur den ersten sozialdemokratischen Minister nach 15 Jahren Durststrecke in der Schickard-Gemeinde zu Gast, sondern auch einen Praktiker. Der seit Mai amtierende Innenminister des Landes Baden-Württemberg ist seit 1984 Kreisausbilder der Feuerwehren im Landkreis Heilbronn.
Der gelernte Fernmeldetechniker Gall, das stellte sich im Austausch über "Neue Herausforderungen im Katastrophenschutz und ihre Bedeutungen für die Feuerwehren in Ehren- und Hauptamt" schnell heraus, hat eine sensible Antenne für die Rückmeldungen aus dem Kreis der Wehrleute und Vertreter der Kommunen. Sie stellten die Mehrzahl der Zuhörer am Montagabend.
Strahlenmessung und Evakuierung
Der Katastrophenschutz nahm in der über zweistündigen regen Debatte, die in Gang zu halten SPD-Ortsvereinsvorsitzender Jan Kritzer als Moderator nie Mühe hatte, nur eine untergeordnete Rolle ein. In sechs Kilometer Entfernung vom Kernkraftwerk Philippsburg haben Katastropheneinsatzpläne für Atomunfälle naturgemäß die größte Bedeutung.
Für solche Ereignisse seien die Feuerwehren vor Ort allerdings nicht ausgestattet, so Gall. Dafür seien die Werksfeuerwehren der Betreiber und deren kerntechnische Hilfsgruppen zuständig. Den öffentlichen Wehren komme die Ausgabe der Strahlenmessung und Evakuierung zu. Hier sieht der Minister noch erheblichen Nachholbedarf, was Aufnahme- und Transportkapazitäten betrifft.
Für ihre Aufgaben vor Ort sahen alle Podiumsteilnehmer die Feuerwehren gut gerüstet. Deutschland verfüge über das beste und effektivste Rettungssystem der Welt, zeigte sich der Neulußheimer Feuerwehrkommandant Harald Butz überzeugt. Peter Bierlein, Unterkreisführer Schwetzingen der Feuerwehr Rhein-Neckar-Kreis, lobte die gute Zusammenarbeit der Wehren, die kompetent ausgebildet seien und über die integrierte Leitstelle in Ladenburg gezielt alarmiert werden.
Dennoch stehen die Floriansjünger vor Herausforderungen: Die demografische Entwicklung und nachlassendes Engagement für die Gemeinschaft bedrohen die Einsatzstärke, die Ausrüstung wird immer umfangreicher und damit teurer - für finanzschwache Gemeinden ein wachsendes Problem.
Mehr Frauen in die Wehr
Eine Antwort sei der Versuch, mehr Frauen für die Feuerwehr zu gewinnen. Deren durchschnittlicher Anteil von vier Prozent wird in Neulußheim weit überschritten: Vier von 26 Aktiven sind weiblich, so Harald Butz. Es gelte, die vielen Mädchen bei den Jugendfeuerwehren für den Übergang in die Einsatzabteilung zu überzeugen, sagte Minister Gall.
Unterrepräsentiert seien auch die Menschen mit Migrationshintergrund. Auf sie müssten die Wehren aktiver zugehen, schon über die Jugend. Dabei gelte es, deren andersartige Lebensumstände zu berücksichtigen, damit sie sich in der Truppe wohl fühlen, so Gall.
Feuerwehrleute verdienten die höchste Wertschätzung, unterstrich Bürgermeister Gunther Hoffmann: "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Wehrleute ehrenamtlich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen." Für Butz und Bierlein war der Dank der Bürger, denen geholfen wurde, die höchstmögliche Anerkennung.
Die Wertschätzung müsse sich aber in einer besseren Versicherung der Wehrmänner gegen Invalidität niederschlagen, war eine Forderung aus dem Plenum. In Schulen soll das Thema Ehrenamt im Katastrophenschutz stärker ins Bewusstsein gerückt werden, war ein weiterer Wunsch.

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