Närrischer Nachmittag des SPD-Ortsvereins erfreute mit buntem Programm
„Als roter Teufel begrüß´ ich alle Narren im Saal, Ihr wisst, es ist Karneval. Eingeladen haben die Roten, ich denk doch, das ist nicht verboten“. So sprach Heidi Ross im Namen des SPD-Ortsvereins, der am Samstag zum vierten närrischen Seniorennachmittag in die alte Turnhalle geladen hatte.
„Wolle mer se roilosse?“ war die an diesem Nachmittag am häufigsten gestellte Frage. Sie wurde immer bejaht und so zeigte sich das Programm bunt und reich bestückt. In der mit Luftballons und Girlanden geschmückten Halle ging es schon bald hoch her, es wurde geschunkelt, mitgesungen und viel gelacht. Musikalisch trug Rolf Werner dazu bei, der weder bei „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ noch bei der guten alten „Adelheid“ passen musste.
Zur Einstimmung betrat die Frauengarde der „Luxe“ die Bühne und begeisterte das Publikum mit ihren flotten Tänzen und schmucken Kostümen. Ihr Auftritt wurde mit viel Applaus und einem dreifachen „Altlosse ahoi!“ quittiert.
„Erzähle werd ich euch von Drache, die uns Männer täglich das Leben schwer mache“. Mit diesem Slogan betrat Jörg Wildenstein die Bütt und konnte einmal so richtig ablassen, was eine geschundene Männerseele über all die Jahre so anstaut und quält. Es wurde kein Fettnäpfchen ausgelassen und Kernaussagen, wie „Vorbei sind die Zeiten der Liebe, vergessen nach dem Essen die Triebe“, fanden begeistert Zustimmung, nicht nur bei den Männern im Saal.
Der nächste Importschlager aus unserer Nachbargemeinde war das Männerballett der Freiwilligen Feuerwehr. Während Jörg Wildenstein nur davon redete, brachten die haarigen Geishas aus Altlußheim ihren eigenen Drachen mit. Während dieses Ungetüm über die Bühne wirbelte, vollführten die aufreizenden Schönheiten aus dem Dorf der untergehenden Sonne ihre elegisch anmutenden Tänze.
Doch nicht nur die Männer sind bei der Altlußheimer Feuerwehr aktiv. So haben ihre Frauen weder Kosten noch Mühen gescheut und sind als Sennerinnen von der Hochalm unserer Nachbargemeinde ins karnevalistische Flachland von Neulußheim herabgestiegen. Da läuteten die Glocken am Königsee, als die mitgebrachte Kuh mit männlichem Gesichtsausdruck gemolken wurde und die Damen beim Schuhplattler ihre strammen Waden zeigten. Die Besucher waren hellauf begeistert, und erst nach einer Zugabe konnten die Eleven von Trainerin Miriam Kief gen Westen nach Hause ziehen.
„In Neilosse unn uff da gonze Welt, isch wirklich nätt alles zum Beschde bestellt. Unn monsches kummt ma komisch vor“, machte Walburga Schäfer in ihrer Büttenrede ein für alle mal klar. Von der Gesundheitsreform und Mehrwertsteuererhöhung über den Fall Stoibers spannte sie den Bogen hin zur Lokalpolitik. Die neue Karriere des alten Schwetzinger Oberbürgermeisters sowie das Drama um das Kriegerdenkmal und die Drahtzieher, die hinter all dem stehen boten ausreichend Stoff und um das alles zu ertragen: „Do brauch´sch Humor“. Mit donnerndem Applaus und einem dreifachen Neilosse-Ahoi wurde Walburga Schäfer aus der Bütt entlassen.
Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt als die „Altlossema Rhoikehlchen“ die Bühne betraten und gleich zu Beginn ihre Verbundenheit zur Heimatgemeinde unmissverständlich zu Gehör brachten. Humorvoll kritisch ließen sie die wichtigsten gesellschaftspolitischen Großereignisse des vergangen Jahres Revue passieren. So blieben weder unsere Regierung mit der „Mecklenburg-Angi“ und dem „Franz vom Sauerland“ noch der Ferrari-Renter „Schumi“ ungeschoren. Auch dass sich Papst Benedikt im letzten Jahr „das Maul verbrannte“ und die Bayern im wahrsten Sinne des Wortes den Bären abschossen, durfte nicht fehlen. Ebenso das Highlight des Jahres, die WM mit unserer „Squadra-Allemania“, mit „Klinsi“ der dollen Angi und einem Land als Fahnenmeer, einfach nur: „schwarz-rot-geil“. Bei so viel gelungenem Frohsinn gingen die Hände wie von selbst zum Himmel und erst mit einer Zugabe durften die Rhoikehlchen, in Begleitung von Manfred Zeiher am Klavier, die Rückreise in ihre Heimatgemeinde antreten.
„Ein Stadtstreicher, der was auf sich hält, spart durchs Saufen auch noch Geld“. Dass dem so ist, bewies Marliese Mergarten in ihrer Büttenrede als Clochard. Ums Geld ging es auch, als Heidi Roß in die Bütt stieg, und verkündete, dass sie nicht ins Altersheim gehen wird. Die Alternative sei eine Langzeitreise als Rentner auf dem Luxusschiff „Aida“. Hier fahre man nicht nur günstiger, sondern werde so richtig verwöhnt und könne nach Leibeslust schlemmen. Und das Beste von allem: die Beerdigung im Meer sei sogar kostenlos.
Den Abschluss des Programms machten die „Noilossema Rotkehlchen“, die unter dem Motto „Wir sind die knallrote Socke“ die Bühne betraten und mit Seemannslieder, wie „Santo Domingo“ oder „Schön ist die Liebe im Hafen“ zum Schunkeln und Mitsingen aufforderten.
Alles geht einmal zu Ende, so auch dieser närrische Seniorennachmittag. Heidi Roß, die dieses teuflisch gute Programm auf die Bühne hexte, bedankte sich bei allen Gästen für ihr Kommen. Ihr besonderer Dank ging jedoch an alle Aktiven, vor allem an die „Altlußheimer Nachbarschaftshilfe“ und die Sponsoren, die den Erfolg dieser Veranstaltung erst ermöglicht haben. Abschließend stellte Jörg Wildenstein fest, dass Neulußheim den Altlußheimern doch etwas voraus habe: „Durch den Gemeinderat ist in Neulußheim das ganze Jahr Fassenacht - Hellau“.